Dala Dala: Mit dem Minibus durch Arusha
Wer in Arusha ankommt, sieht ihn sofort: den Dala Dala. Bunt lackierte Minibusse drängen sich durch die Straßen, hupen, bremsen, nehmen Fahrgäste auf und lassen sie wieder hinaus. Für uns gehört die Fahrt im Dala Dala längst zum Alltag. Sie bringt uns zu den Projekten, und sie zeigt uns jedes Mal, wie das Leben hier wirklich läuft.
Was ist ein Dala Dala?
Ein Dala Dala ist ein Kleinbus für den öffentlichen Nahverkehr und das wichtigste Verkehrsmittel für Millionen Menschen in Tansania. Es gibt keinen Fahrplan. Der Bus fährt los, wenn er voll ist, und zwar auf einer festen Strecke mit Haltestellen am Straßenrand. Woher der Name stammt, ist nicht eindeutig geklärt. Eine verbreitete Erklärung führt ihn auf den englischen „Dollar“ zurück, den frühen Fahrpreis von fünf Schilling. Sicher ist nur: Ohne Dala Dala würde in Arusha vieles stillstehen.
Unsere erste Fahrt
Wir erinnern uns gut an unsere erste Fahrt Richtung Tengeru. Kaum hatten wir uns der Haltestelle genähert, rief schon jemand die Ziele des Busses in die Menge. Das ist der Schaffner, der auf Kiswahili oft Mpigadebe genannt wird, umgangssprachlich auch Konda. Er sammelt das Fahrgeld ein, öffnet die Schiebetür und entscheidet, wie viele Menschen noch hineinpassen. Spoiler: immer einer mehr.
Wir quetschten uns auf eine Bank, Rucksäcke auf dem Schoß, Knie an Knie mit Fremden. Neben uns saß eine Frau mit Körben voller Tomaten, vor uns zwei Schüler in Uniform, hinter uns ein Mann im Anzug mit Laptoptasche. Niemand schien sich zu stören. Wer mitfährt, gehört dazu.
Musik, Sprüche und Persönlichkeit
Jeder Dala Dala hat seinen eigenen Charakter. Aus den Lautsprechern dröhnt Bongo Flava, auf den Scheiben stehen Sprüche und Namen, oft mit Glaubensbotschaften, Fußballvereinen oder Liebesgrüßen. Manche Busse sind regelrechte Kunstwerke auf Rädern. Wir haben uns angewöhnt, vor dem Einsteigen kurz zu staunen, was diesmal auf dem Heck steht.
Mehr als ein Transportmittel
Im Dala Dala spürst du, wie Tansania verbunden ist. Schülerinnen kommen damit zum Unterricht, Händler bringen ihre Ware zum Markt, Familien besuchen Verwandte, Patientinnen fahren zur Gesundheitsstation. Für viele Menschen ist der Preis der Fahrt eine echte Rechnung im Monatsbudget. Wer sich Uniform, Schulgebühren und Fahrtkosten zugleich nicht leisten kann, bleibt manchmal einfach zu Hause. Genau das erleben wir in unserer Arbeit immer wieder, und deshalb hören wir dort besonders genau zu.
Praktische Tipps für deine erste Fahrt
• Preis: Eine Fahrt im Stadtgebiet kostet meist zwischen 400 und 600 Tansania Schilling, also deutlich unter 50 Cent. Auf längeren Strecken zahlst du mehr. Halte passendes Kleingeld bereit, denn bezahlt wird in der Regel während der Fahrt beim Schaffner.
• Einsteigen: Frag an der Haltestelle oder beim Schaffner nach dem Ziel. Im Zweifel hilft jemand im Bus weiter.
• Aussteigen: Sag rechtzeitig „Shusha!“ (sprich: Schuscha) oder klopfe mit einer Münze an die Seitenwand. Dann hält der Fahrer. Ein „Asante“ beim Aussteigen kommt immer gut an.
• Wertsachen: Trage Handy und Geldbeutel nah am Körper, am besten in einer Tasche vor dem Bauch. Das gilt in jedem vollen Bus der Welt.
• Gepäck: Große Koffer sind unpraktisch. Plane für Dala Dala Fahrten lieber einen kleinen Rucksack ein.
• Geduld: Pole pole, „langsam, langsam“. Warte, bis der Bus voll ist, und freu dich auf den Fahrtwind und die Gespräche.
• Sitzplätze: Wenn du kannst, biete älteren Menschen und Schwangeren deinen Platz an. Das wird gesehen und geschätzt.
• Aktuelle Lage: Meide Demonstrationen und größere Menschenansammlungen und informiere dich vor der Reise beim Auswärtigen Amt.
Warum wir dieses Chaos lieben
Natürlich ist es eng, laut und manchmal heiß. Trotzdem fühlen wir uns im Dala Dala jedes Mal ein Stück näher an den Menschen, für die wir arbeiten. Hier lernen wir, was ein normaler Tag in Arusha bedeutet. Und hier merken wir, wie viel Gemeinschaft entsteht, wenn alle gemeinsam ans Ziel kommen wollen.
Genau dieses Gefühl begleitet uns bei Hand in Hand for Tanzania: Wir gehen den Weg nicht allein, sondern gemeinsam mit den Menschen vor Ort, Schritt für Schritt, Haltestelle für Haltestelle.
Und du? Bist du schon einmal Dala Dala gefahren oder reizt dich das Abenteuer? Schreib es uns in die Kommentare oder auf Instagram unter @handsfortanzania.
